Opel-Verkauf: Für Motorenwerk Aspern Bestandsgarantie zweifelhaft

Noch vor 4 Jahren war PSA ein Pleite-Kandidat und hielt sich nur mit finanziellen Garantien durch den französischen Staat über Wasser. Seit der chinesische Autokonzern Dong-Feng bei PSA (Peugeot-Societe-Anonym) eingestiegen ist, verbesserte sich die Ertragslage, und PSA hat scheinbar genug Geld um Opel zu kaufen. Die große Frage die man sich in Österreich stellt: Wird OPEL Wien, also das Opel Werk in Wien Aspern mit 1.800 Beschäftigten diese Übernahme überleben?

Von Viribus Unitis

Dass etwas läuft bei Opel, konnte man schon 2015 erkennen. 2015 verkündete General Motors (GM), dass beim Opel-Werk von GM in Wien-Aspern, wo die Produktion seit 1982 läuft, ab 2018 die Motorenproduktion auslaufen würde. 

Derzeit werden in Aspern 1.800 Mitarbeiter beschäftigt. 2014 wurden insgesamt mehr als 1,25 Millionen Motor- und Getriebe-Einheiten gefertigt. Davon entfielen 534.246 auf Motoren mit 1,2 l Hubraum, 1,4 und 1,4 Turbo der "Familie null" (Drei- und Vierzylinder), die ab 2018 auslaufen soll. Außerdem wurden 375.333 Fünfgang- und 347.209 Sechsgang-Schaltgetriebe gefertigt. Insgesamt würden 156 verschiedene Versionen gebaut. 70 Prozent aller in Europa neu zugelassen Opel bzw. Vauxhall enthalten ein Produkt aus Aspern, das damit das größte Powertrain-Werk des Konzerns weltweit ist. 

OPEL- Käufer PSA hat eine Dieselmotorengemeinschaft mit Ford. Das berührt Aspern nicht, dort werden keine Dieselmotoren gefertigt. 

Im Rahmen der kleinen Benzin-Motoren, also 1,2 und 1,4 l Hubraum, hat die PSA-Gruppe seit Jahren ein eigenes Motorenprogramm mit zugehörigen Getrieben. Darauf aufgebaut ist natürlich auch die Ersatzteilversorgung und anderes. Würde PSA die GM-Getriebe-Varianten weiterlaufen lassen, so würde man sich zusätzliche Ersatzteil-Notwendigkeiten und damit Kosten auferlegen. Eine langfristige Weiterführung der GM-Getriebe (Motoren laufen sowieso aus) ist in Aspern daher nicht zu erwarten.

PSA hat eigene Benzinmotoren mit zugehörigen Getrieben, einerseits die Eigenentwicklung im Rahmen der "PureTech"-Motoren (1,0 und 1,2 l Hubraum) und die seit 2006 gemeinsam mit BMW entwickelten und in Dienst gestellten "Prince"-Motoren (1,4 und 1,6l Hubraum). 

Na ist doch egal, mag man denken, dann baut man eben Peugeot-Motoren und die dazugehörigen Peugeot-Getriebe. Da stellt man die schon in Aspern befindlichen Getriebe- und Motoren-Baumaschinen ein bisschen anders ein, und schon passt alles.

Bekommt Aspern ab 2018 statt der GM-Antriebe vielleicht Peugeot-Motoren und Getriebe zum bauen?

So einfach ist es nicht. PSA macht seit Jahren Verluste. Durch den chinesischen Partner Dongfeng wurde erst der Kauf von Opel durch PSA möglich. Chinesisches Geld finanziert den Opel-Kauf.

PSA macht Verluste. In Frankreich selbst wurden Autowerke geschlossen und die dortigen PSA-Motoren- und Getriebewerke sind auch nicht voll ausgelastet. Das bedeutet, PSA könnte seine Motoren- und Getriebewerke in Frankreich durch die zusätzlichen Marktanteile des Opel-Kaufes wieder besser auslasten als derzeit.

Außerdem kauft PSA im Zuge der Opel-Übernahme auch das GM-Werk im ungarischen Szentgotthard, wo mit moderneren Maschinen und niedrigeren Lohnkosten aktuell neuere Opel-Motoren und Getriebe-Kombinationen hergestellt werden. In Aspern wird aktuell die Motoren- und Getriebe-"Famile null" hergestellt, in Szentgotthard die "Familie eins".

Warum, so darf sich fragen, sollte PSA die Motoren und Getriebe in Aspern montieren lassen, wenn man sie doch im ungarischen Szentgotthard mit modereneren Maschinen und niedrigeren Löhnen billiger montieren kann und in Frankreich politischen Druck hat, wegen Arbeitsplatzproblemen die französischen Produktionsstätten auszulasten und wieder mehr in Frankreich zu produzieren, Produktionskapazitäten wenn möglich aus dem Ausland zurück zu holen. 

Und was man auch fragen muss: Werden im Zuge des Opel- Kaufs durch PSA auch Produktionskapazitäten (welcher Art auch immer / Motoren- Getriebe oder sonstiges) zum PSA-Partner, zu Dong-Feng nach China vergeben? Chinesische Dong-Feng Motoren und Getriebe statt Aspern? 

Zukunft für Aspern? Sehr zweifelhaft!

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Viribus Unitis heißt "Vereinte Kräfte" und war das Motto von Kaiser Franz Joseph, und der Name eines Ö-U Schlachtschiffes. VU, das Schlachtschiff, schießt mit Informationen, manchmal auch mit Infos die keiner lesen will, weil sie nicht in den Kram passen. VU, das ist ein Autor, mit einem Netzwerk an Akteuren, die mit Hintergrund- und Basisinformationen zur Verfügung stehen.

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