Saudi-Jemen-Krieg – Leaks zeigen: Saudis wollen raus aus ihrem Vietnam

E-Mails zeigen, dass der Saudi-Kronprinz den von ihm selbst angezettelten Krieg im Jemen wohl beenden will. Setzt sich in Saudi-Arabien Pragmatismus statt ideologisch geprägtem Fanatismus durch?

Von Viribus Unitis

Das Middle East Eye berichtet von einem E-Mail-Verkehr, in dem ein Gespräch mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, in Kurzform auch MBS genannt, angesprochen wird. Das Gespräch fand zirka einen Monat vor dem Beginn der Katar-Blockade statt.

Verantwortlich dafür, dass dieser E-Mail-Verkehr publik wurde ist die „GlobalLeaks campaign Group“, die den elektronischen Schriftverkehr zwischen Indyk und Yousef Otaiba, dem Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate in den USA publizierten. In einer Mail waren die Details des damaligen Gesprächs dargestellt worden. Auch anderer Mail-Verkehr von Otaiba wird veröffentlicht – man hat offensichtlich dessen E-Mail-Account geknackt.

Mailverkehr mit Martin Indyk, ist der frühere US-Botschafter in Israel (sic!), ein jüdischer in London geborener Akteur der Demokratischen Partei der USA, in Australien studiert, der schon zu Bill Clintons Zeiten aktiv war, und ein Falke, was die Eindämmung des Iran angeht ist. Stephen Hadley war ab 2005 Sicherheitsberater unter G. W. Bush, und ist gleichfalls ein Iran-Falke.

Einserseits teilte der 31-jährige MBS mit, die aktuelle Politik der USA gegen den Iran wäre OK, so lange sie mit den Saudis abgesprochen und akkordiert sei, und andererseits teile er mit, er wolle aus dem Jemen abziehen.

MBS hatte den Krieg im Jemen begonnen, dass er nun über seinen eigenen Schatten springt und seinen Fehler zugibt – und damit Pragmatismus im Rahmen der Situation beweist – ist bemerkenswert. Ähnliches war von Obama und Hillary mit deren Kriegen nicht zu bemerken. Pragmatismus, das stellen auch die US-Experten fest (englisches Original um Verfälschungen zu vermeiden):

At 10.17am on 20 April, Otaiba wrote: „Sometimes foreign ministers have to raise the bar a little higher. And I think MBS is far more pragmatic than what we hear is (sic) Saudi public positions.“

By return some 27 minutes later Indyk wrote: „I agree on that. He was quite clear with Steve Hadley and me that he wants out of Yemen and that he is OK with the US engaging Iran as long as it is co-ordinated in advance and the objectives are clear.“

Otaiba replied: „I do not think we will ever see a more pragmatic leader in that country. Which is why engaging with them is so important and will yield the most results we can ever get out of Saudi.“

„We’re doing our best to do that,“ said Indyk, who is perhaps better known for a career championing pro-Israel policies rather than Saudi ones.

Schon im Dezember 2016 war berichtet worden, die Saudis würden per 15. Dezember 2016 mit dem Abzug ihrer Truppen aus dem Jemen beginnen – taten es dann aber nicht.

Warum sie damals nicht abzogen – nun die Rahmenbedingungen waren nicht geklärt. Man wusste nicht, wenn man abzog, was dann auf Saudi-Arabien zukommen würde. Würden die Huthi- Rebellen dann in Saudi-Arabien einfallen – und sich der Kampf auf saudischem Staatsgebiet fortgeführt werden? Unmöglich war dies nicht, denn die Houthi hatten und haben im Rahmen des Jemen-Krieges schon mehrmals saudisches Gebiet besetzt und es kam zu schweren Gefechten auf saudischem Territorium.

Nun scheint man mit der Trump-Regierung eine gesicherte Umgebung zu haben, mit der man grundsätzlich arbeiten könne – eine US-Regierung, die eine gesicherte Umgebung garantieren könne.

Die Emirate wollen – wie auch Saudi- Arabien – die Region führen. Das alles nur, weil die Ober-Führungsmacht, also Obama-Hillary-Kerry-USA ihre Führungsrolle nicht wahrnahmen. In einem E-Mail-Verkehr von VAE / Otaiba mit dem ehemaligen Reagan und G.W. Bush-Berater Elliot Abrams (Original-Englisch um Verfälschungen zu vermeiden):

Abrams zu den Führungsträumer der VAE: „Jeez, the new hegemon! Emirati imperialism! Well if the US won’t do it, someone has to hold things together for a while.“

Otaiba antwortet: „Yes, how dare we! In all honesty there was not much of a choice. We stepped up only after your country chose to step down.

Abrams complains it was „too bad you aren’t getting the help you deserve“ from the US, Qatar and Saudi. Otaiba adds: „Or Oman or Turkey.“

Otaiba, ist glasklar, wenn es dazu kommt zu beschreiben, wer im Fahrersitz ist, im Rahmen der Saudi-VAE-Beziehungen. Denn als Antwort an Abrams schreibt Otaiba: „I think in the long term we might be a good influence on KSA, at least with certain people there.“ und weiter „Our relationship with them is based on strategic depth, shared interests, and most importantly the hope that we could influence them. Not the other way around.“

Abrams war angeblich die erste Wahl Tillersons für den Posten des Stellvertretenden Verteidigungsminsiters, wurde aber von Trump abgelehnt, weil Abrams sich im Wahlkampf Anti-Trump geäußert und auch entsprechend publiziert hatte.

Finden muss man nun einen Kompromiss mit den Iranern. Die alte Saudi-freundliche jemenitische Regierung war unter Houthi-Druck geraten, weil diese Waffen aus dem Iran erhalten haben. Dann griffen Saudis und VAE mit Zustimmung der Obama-USA im Nachbarland ein, und der sehr grausame Jemen-Krieg nahm seinen Lauf.

Die Iraner hatten die schiitischen Houthi-Rebellen deshalb mit Waffen beliefert, weil sie ein Gegengewicht schaffen wollten – ein Gegengewicht zu Syrien. In Syrien war der von Katar- und Saudi-Arabien unterstützte IS auf dem Vormarsch, und Splittergruppen begannen auch im Iran aktiv zu werden. Der Iran stand unter Druck. Diesem Druck wurde einerseits die Beteiligung der iranischen Revolutionsgarden im Kampf gegen den IS in Syrien – unter russischem Kommando – entgegengestellt, andererseits wurden die Houthi im Jemen unterstützt.

Die Houthi im Jemen erhielten auch iranische Raketen, kopien alter russischer Modelle, mit denen sie den Saudis schwere Verluste zufügten. Um diese Raktenlieferungen ging es, wenn die Trump-USA der Welt mitteilte, der Iran würde sich nicht an das Atomabkommen halten.

Die Iraner verstanden durchaus, und Meldungen über erfolgreiche Angriffe der Houthi mit Raketen sind seit Monaten Mangelware. Waren noch 2016 ständig Meldungen zu lesen, die Houthis hätten mit Raketen saudische Militärflugplätze im Jemen angegriffen, und mit diesen Raketen auf Schiffe in der Straße von Bab el Mandeb, bzw. in anderen Küstengewässern geschossen (die Saudis sollen insgesamt mehr als 10 Schiffe dadurch verloren haben), so sind derartige Meldungen nun nicht mehr zu lesen. Die Iraner haben verstanden, und die Houtis bekamen wohl entsprechende Weisungen.

Mal sehen, ob die aktuelle Abzugstrategie umgesetzt werden kann – in enger Absprache mit den Trump-USA und dem Iran – mit dem man reden muss, und der durchaus gesprächsbereit ist.

Nach der Katar-Blockade – also des Versuches die Moslembrüder zu entmachten – wäre dies ein weiterer Schritt um die arabische Region zu beruhigen.

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Viribus Unitis heißt "Vereinte Kräfte" und war das Motto von Kaiser Franz Joseph, und der Name eines Ö-U Schlachtschiffes. VU, das Schlachtschiff, schießt mit Informationen, manchmal auch mit Infos die keiner lesen will, weil sie nicht in den Kram passen. VU, das ist ein Autor, mit einem Netzwerk an Akteuren, die mit Hintergrund- und Basisinformationen zur Verfügung stehen.

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