Naher Osten: China setzt auf Handel statt Krieg

Naher Osten: China setzt auf Handel statt Krieg

Was den Amerikanern ihr Militär, ist den Chinesen der Handel. Im Nahen Osten setzt das Reich der Mitte auf völlig andere Akzente.

Von Ludwig Uhrl

Pablo Escobar brachte die chinesische Nahostpolitik auf den Punkt: "Make Trade, Not War". Also auf gut Deutsch: "Führt Handel und bekriegt euch nicht". Für die "Belt and Road Initiative" Pekings, also die Etablierung der "Neuen Seidenstraße", ist es eigentlich unabdingbar, dass die Lage im Nahen Osten möglichst friedlich bleibt.

China versucht einerseits seinen eigenen Westen mit dem östlichen Mittelmeerraum zu verbinden. Andererseits soll über den Nahen Osten auch das nördliche Afrika mit Asien verbunden werden. Dafür, also für den Aufbau entsprechender Infrastrukturen, nimmt Peking auch Unsummen in die Hand.

Das Egebnis kann sich sehen lassen: Im Jahr 2010 belief sich der Handel zwischen China und den arabischen Staaten auf rund 145 Milliarden Dollar. Bis zum Jahr 2014 waren es schon 250 Milliarden Dollar – und inzwischen sind es wohl bereits mehr als 300 Milliarden Dollar an Handelsvolumen. Die sogenannten MENA-Staaten (Middle East and North Africa) liefern rund 40 Prozent des Ölbedarfs Chinas, während die Volksrepublik für nicht wenige Länder der Region inzwischen schon zum wichtigsten Handelspartner aufstieg.

Wie wichtig dieses "Make Trade, Not War" für Peking ist, zeigt sich auch daran, dass man versucht, mit möglichst allen Ländern der Region gute Beziehungen zu haben. Egal ob es sich hierbei beispielsweise um den Iran, Saudi-Arabien, Katar, Israel oder Ägypten handelt. Auch für das Nachkriegs-Syrien hat Peking bereits Pläne, um dort einerseits beim Wiederaufbau zu helfen, andererseits natürlich auch den Handel anzukurbeln.

Man erkennt deutlich, dass die Chinesen zwar wie die Amerikaner auch eine expansive Außenpolitik durchführen, dabei jedoch setzt Peking im Gegensatz zu Washington nicht auf das Militär, sondern eben auf Handelsbeziehungen und wirtschaftliche Investments. Auch wenn man inzwischen natürlich auch hingeht und versucht, in der Region Marinebasen errichten zu können, um die eigene Handelsflotte besser schützen zu können, so spielt das Militär für China (noch) eine untergeordnete Rolle, was die eigenen Expansionspläne betrifft.

Schlussendlich heißt es für die Region: Der Einfluss der USA schwindet und während Russland zunehmend zu einem wichtigen militärischen und politischen Faktor dort avanciert, übernimmt China die wirtschaftliche Führungsrolle – und zwar mit einer "win-win"-Wirtschaftspolitik, die sich von der westlichen Wirtschaftspolitik massiv unterscheidet. Öffentlich wurden die Pläne Pekings für den arabischen Raum im Jahr 2016, als man ein Papier publizierte, in dem man die Arabien-Politik der Volksrepublik skizzierte.

 

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Ludwig Uhrl, ein Traditionalist, bekennt sich zu Bier, Brezel und Weißwurst, mit umfangreicher Polit- Erfahrung und alt- jüdischen Wurzeln - die Urgroßmutter mütterlicherseits konvertierte zum Katholizismus. Als Chefredakteur hat er gesellschaftliche Verantwortung, will er plurale Meinungs- Entfaltung fördern, aber auch lenken. Es geht alles, aber nicht alles darf gehen!

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