Das Rennen um Militärbasen läuft schon lange

Nicht nur die USA, Großbritannien, Frankreich oder Russland haben mehrere Militärbasen im Ausland, auch andere Staaten mischen mit: China und Indien zum Beispiel.

Von Ludwig Uhrl

Militärbasen im Ausland dienen eigentlich vor allem der Absicherung eigener nationaler Interessen, wobei man hierbei insbesondere auf Staaten vertraut, mit denen man entweder ein freundschaftliches Verhältnis pflegt, oder die infolge von militärischen Operationen quasi besetzt wurden – wie beispielsweise Deutschland, Italien und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg, Südkorea nach dem Koreakrieg oder eben Afghanistan oder der Irak als zwei aktuelle Beispiele.

Spitzenreiter hierbei sind die Amerikaner mit rund 1.000 solcher Einrichtungen, auch Briten und Franzosen haben dutzende Militäreinrichtungen außerhalb des Mutterlands, dort jedoch vor allem in deren Außengebieten oder in den ehemaligen Kolonien. Russland besitzt in etwa zwanzig solcher Basen, darunter neben einigen ehemaligen Sowjetrepubliken (wie Armenien, Weißrussland oder Kasachstan) auch in Syrien und in Vietnam. Weitere Standorte sind im Gespräch. Deutschland hat auch Auslandsbasen, doch diese sind vor allem NATO-Standorte, um die US-Politik in der Region zu unterstützen.

Doch das ist noch nicht alles. Andere Großmächte wie China und Indien streben ebenfalls nach militärischen Präsenzen rund um den Erdball. Erstere vor allem deshalb, um die eigenen (maritimen) Handelsrouten zu schützen, Letztere insbesondere als Gegengewicht zur wachsenden chinesischen Präsenz im Indischen Ozean. Aber auch Küsten-Überwachungs-Radarstationen (wie in Madagaskar, auf den Malediven und auf Mauritius) gehören dazu. Nun kommen für die indische Marine auch Nutzungsrechte für die Militärbasen in Guam und Diego Garcia hinzu.

Gerade die Amerikaner (aber auch Briten und Australier) wollen die – zu Zeiten des Kalten Krieges blockfreien – Inder auf ihre Seite ziehen, um so eine weitere Großmacht auf ihre Seite zu ziehen. Hauptziel: China. Denn die Volksrepublik plant eine ganze Reihe weiterer Militär- bzw. Marinestützpunkte zu eröffnen. Darunter in Chongjin (Nordkorea), Port Moresby (Papua Neuguinea), Sihanoukville (Kambodscha), Koh Lanta (Thailand), Sittwe (Myanmar), Dhaka (Bangladesh), Lagos (Nigeria), Mombasa (Kenya), Dar es Salaam (Tansania), Luanda (Angola) und Walvis Bay (Namibia), sowie auch auf den Malediven, den Seychellen und vielleicht auch in Indonesien.

Mit dem immer größer werdenden Netzwerk an Militär- und Marinebasen rund um den Erdball und der Ausweitung der Bildung von Allianzen bewegt sich die Welt jedoch nicht hin zu einer (wie von Russland favorisierten) "multipolaren Weltordnung", sondern vielmehr die Schaffung eines neuen von China und Russland geführten "Fernost-Blocks" (ergänzt durch verbundene Staaten in Afrika und Lateinamerika) als Gegengewicht zum weiter vorhandenen "Westblocks" (mit der NATO als Kernorganisation, plus Vasallenstaaten wie Japan, Südkorea oder Australien). Gerade das Rennen um weitere bzw. neue Militär- und Marinebasen rund um den Globus durch die asiatischen Großmächte verdeutlicht dies eindrücklich.

Das große Rennen um Militärstützpunkte weltweit ist längst schon eröffnet. Zwar wird kein anderes Land in absehbarer Zeit jene Anzahl erreichen, welche die Vereinigten Staaten derzeit vorweisen kann – doch es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren insbesondere Russland, China und Indien massiv aufholen werden. Vor allem zum Selbstschutz durch die weiterhin aggressiv wütenden USA aber im Falle Indiens auch infolge der maritimen Expansion der Volksrepublik China. Japan, welches sich letztes Jahr von seiner pazifistischen Verfassung verabschiedete, dürfte hier wohl auch bald schon nachziehen.

 

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Ludwig Uhrl, ein Traditionalist, bekennt sich zu Bier, Brezel und Weißwurst, mit umfangreicher Polit- Erfahrung und alt- jüdischen Wurzeln - die Urgroßmutter mütterlicherseits konvertierte zum Katholizismus. Als Chefredakteur hat er gesellschaftliche Verantwortung, will er plurale Meinungs- Entfaltung fördern, aber auch lenken. Es geht alles, aber nicht alles darf gehen!

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