China-CELAC: Lateinamerika im Drachen-Focus

Nicht nur auf dem asiatischen Kontinent und in Afrika ist China präsent, auch in Lateinamerika wächst das chinesische Engagement.

Ludwig Uhrl

Chinas wirtschaftliches Engagement rund um den Globus wächst unaufhaltsam. Die "One Belt, One Road"-Intitiative, die auch als "Neue Seidenstraße" bekannt ist, umfasst hierbei nicht nur die Handelswege nach Westasien, Europa und Afrika, sondern inzwischen auch Lateinamerika. Den Weg dorthin könnte man auch die "Pazifisch-maritime Seidenstraße" nennen.

Von den Westmedien weitestgehend unbeachtet fand erst im letzten Monat in der chilenischen Hauptstadt Santiago ein Treffen auf ministerialer Ebene statt, an dem China mit Staatsvertretern von insgesamt 33 Mitgliedern der sogenannten "CELAC"-Gruppe (Community of Latin American and Caribbean States) verhandelte und diskutierte. Vor allem der Freihandel stand hierbei auf der Agenda, aber auch die Ausweitung des Handels miteinander.

Der chinesische Außenminister, Wang Yi, betonte nach dem Treffen des China-CELAC-Forums, dass man in eine neue Ära schreiten werde und ein neues Kapitel der weitreichenden Kooperation zwischen China und den lateinamerikanischen Ländern eröffnet habe. Dies sei ein weiterer transozeanischer Handschlag zwischen China und den lateinamerikanischen und karibischen Staaten. Man werde den Multilateralismus aufrechterhalten, das Freihandelssystem sichern und am Aufbau einer offenen globalen Wirtschaft arbeiten, sowie die ökonomische Globalisierung fördern.

Man sollte nur einmal bedenken, wie viel die Volksrepublik inzwischen in die Region investiert: Im letzten Jahr waren es insgesamt 23 Milliarden US-Dollar, was einen deutlichen Anstieg gegenüber jenen Summen ist, die in den letzten Jahren seitens der chinesischen Banken und Institutionen in diese Länder flossen. Allerdings ist Brasilien – unter anderem das größte und wichtigste Land der Region und zudem BRICS-Mitglied – noch der wichtigste Investitionsstandort. In den letzten zehn Jahren investierten die Chinesen dort 46,1 Milliarden Dollar und kauften dort Unternehmen um mehr als zehn Milliarden Dollar auf.

Inzwischen ist China ohnehin schon der Top-Handelspartner von Argentinien, Brasilien, Chile und Peru. Andere lateinamerikanische Staaten werden jedoch sukzessive folgen. Dabei geht es den Chinesen jedoch nicht (nur) um Investitionen im Rohstoffbereich, sondern auch um längerfristige Geschäfte und um die wirtschaftliche Entwicklung der Region, weshalb auch die Asiatische Infrastruktur-Investment-Bank (AIIB) das Kreditvolumen für diese Region erhöhen möchte.

Für die Amerikaner, die Lateinamerika (seit der Ausgabe der "Monroe-Diktrin" als ihren "Hinterhof" betrachten) ist diese Entwicklung natürlich kein Grund zur Freude. US-Außenminister Rex Tillerson betonte, deshalb, Lateinamerika würe "keine neuen Imperialmächte brauchen". Offenbar muss es ausreichen, wenn sich die Amerikaner als solche aufführen und die Region kontrollieren wollen, wie man auch an den jüngsten Vorfällen in Venezuela, Ecuador und Bolivien sieht, sowie an der Unterstützung für die pro-amerikanischen Neo-Präsidenten in Brasilien und Argentinien.

 

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Ludwig Uhrl, ein Traditionalist, bekennt sich zu Bier, Brezel und Weißwurst, mit umfangreicher Polit- Erfahrung und alt- jüdischen Wurzeln - die Urgroßmutter mütterlicherseits konvertierte zum Katholizismus. Als Chefredakteur hat er gesellschaftliche Verantwortung, will er plurale Meinungs- Entfaltung fördern, aber auch lenken. Es geht alles, aber nicht alles darf gehen!

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