China-Commonwealth/EU: Chinas Geely wird größter Daimler-Aktionär

Der chinesische Autokonzern Geely ist mit einem Aktienpaket von 9,69 Prozent nun größter Einzelaktionär bei Daimler, dem Mutterkonzern von Mercedes.

Von Viribus Unitis

Dieser chinesische Angriff auf Daimler ist im Rahmen der bisherigen Aktivitäten durchaus verständlich. Nicht Mercedes-Pkw sind das Ziel, sondern die Lkw-Abteilung des Unternehmens. Mercedes ist, was nicht so bekannt ist, der größte Lastkraftwagen-Hersteller der Welt. Bei den Personenkraftwagen ist Mercedes eine Nobel-Randerscheinung. Im Nobel-Bereich Marktführer, im allgemeinen Pkw-Bereich, was Marktmacht und Stückzahlen angeht, eine Randerscheinung. Bei den Lastkraftwagen aber ist Mercedes der dominante Faktor weltweit – nur herausgefordert von der Volvo-Group / Trucks (nicht zu verwechseln mit Volvo-Pkw – das ist eine eigene Firma, die zu 100 Prozent im Besitz von Geely ist).

Daimler hat in China Joint-Ventures mit BAIC. BAIC besitzt auch die Namensrechte am altbekannten aber aktuell nicht mehr produzierenden schwedischen Autohersteller Saab. Beijing Benz – also BAIC und Benz / Daimler Benz – bauen Pkw und Lkw in China. BAIC wiederum hält über seine Lkw-Tochter Foton die alte deutsche Marke Borgward, die in China bereits erfolgreich am Markt ist, und wohl 2019 den deutschen Markt erreichen soll. Dass die deutsche Niederlassung von Borgward ausgerechnet seinen Sitz in Stuttgart hat – neben Mercedes – und nicht wie traditionell eigentlich normal in Bremen – ist ein Boden für Spekulationen.

Ende Dezember 2017 war bekannt geworden, dass Geely das Aktienpaket (8,3 Prozent Kapitalanteil) der Volvo-Group (Trucks) von Cevian Capital gekauft hat, wie auch überall korrekt gemeldet wurde. Was man nicht dazu sagte war, dass dieses Kapital Stimmrechte von 15,2 Prozent beinhaltet.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Volvo-Trucks bereits eine Kapitalverschränkung mit einem anderen China-Akteur hat. Mit DongFeng – dem größten Lkw-Hersteller Chinas. Jenem Unternehmen, das auch an PSA / Peugeot beteiligt ist. Mit diesem Unternehmen gibt es ein Lkw-Joint-Venture, in dem DongFeng 55 Prozent hält und Volvo Group 45 Prozent.

Zählt man zusammen was beide Chinesen an Anteilen und Stimmrechten bei Volvo halten, so kommt man zum Ergebnis dass wohl knapp unter 50 Prozent an der Volvo-Group (Trucks) bereits von China kontrolliert werden.

Europa: Selbstbetrug als Ego-Schutz

In Deutschland ist diese Geely-Beteiligung eingeschlagen wie eine Bombe. Die Union ist zweigeteilt.

Der konservative Flügel bei CDU und CSU sieht diesen Einstieg als Kathastrophe epischen Außmaßes – und dahingehend darf man diesem Flügel durchaus recht geben.

Der Merkel-Flügel sieht diese Entwicklung als positiv. Dies ist nur konsequent. Als Trump in seinem ersten Amtsjahr mehrere Firmenübernahmen durch China verhinderte, wurde dies von Merkel-Deutschland mit heftiger Kritik begleitet. Das sei Isolationismus, das sei Protektionismus, das sei nicht gut. Als logische Folge wird nun auch dieser China-Einstieg bei Daimler sehr positiv gesehen. Experten sekundieren diesem Merkel-Kurs: "Geely ist für Daimler fast so etwas wie eine Familie Quandt bei BMW oder Porsche-Piëch bei VW", erklärte Autoexperte Dudenhöffer.

Verkauft wird das der Bevölkerung damit, dass China wohl Daimler als Technologie-Partner brauche, wegen Daimlers überlegener Elektroauto-Batterientechnik. Die Deutsche Welle dazu: Geely sei vor allem an der Batterietechnik von Daimler interessiert, werden Gerüchte in der deutschen Presse kolportiert, und wolle hier ein Gemeinschaftsunternehmen.

Welche Batterietechnik? Daimler hat keine eigene Batterietechnik. Daimler hat zwar ein Batteriewerk in Deutschland errichtet, die Technik dafür lieferte aber Daimlers Batterie-Partner SK-Innovation aus Südkorea.

Nun macht Daimler neue China-Elektro-Aktivitäten, und sucht Batterie-Hilfe beim chinesischen Hersteller Contemporary Amperex Technology (CATL). CATL arbeitet in diesem Bereich schon mit BMW zusammen (BMW hatte noch beim i3 Samsung als Batterie-Partner), und auch mit PSA (Chinas Dongfeng als Großaktionär) ist CATL im Geschäft. Nun scheinen auch Daimler und VW die Hilfe von CATL zu suchen.

Mit Selbstbetrug, Schönreden der Situation und Medienlügen wird man nicht weit kommen, das ist jetzt schon abzusehen.

Lkw-Global Player: Volvo und Mercedes

Der Lkw-Weltmarkt kennt zwei Global Player. Und das sind Volvo Group / Trucks (nicht zu verwechseln mit Volvo-Pkw) und die Lkw-Abteilung von Mercedes.

Volvo ist in Europa und den USA und auch in Asien wohlbekannt. Volvo-Trucks hat auch Renault-Trucks in sich integriert und auch die US-Tochter von Renault-Trucks, den US-Hersteller MACK in seinem vollen Besitz.

Mercedes-Lkw sind in Europa wohlbekannt, in den USA eher eine Seltenheit. In den USA ist Mercedes mit seiner Tochterfirma Freightliner aktiv, in Kanada besitzt Mercedes den Lkw-Hersteller Western Star und in Asien hat man aus dem Mitsubishi-Portfolio (nach der Trennung) die Mitsubishi-Lkw-Tochter Fuso behalten – und ist mit Fuso in Asien aktiv.

Europas Hersteller sind deshalb in den USA so präsent, weil zwei US-Konkurse einen Markteintritt ermöglicht hatten, den man dann ausbaute.

Da gab es den Konkurs des Herstellers MACK, den dazumals Renault-Trucks nutzte um eine Lkw-Präsenz in den USA aufzubauen. Renault kaufte das Unternehmen und diese Mack-Besitzung ging nach dem Verkauf von Renault-Truck an Volvo-Trucks in deren Hände über.

Der US-Lkw-Hersteller White ging 1980 Pleite, was dazu führte, dass Volvo einen Teil von White übernahm, nämlich White selbst und Western Star (der später an Mercedes verkauft wurde), und Mercedes die White-Lkw-Marke Freightliner übernahm.

In weiterer Folge verkaufte GM sein Schwer-Lkw-Geschäft an Volvo, und Ford sein Schwer-Lkw-Geschäft an Mercedes, welches diese LkwLinie unter der Marke Sterling weiterführte – zwischenzeitlich aber aufgelassen hat.

Lkw-Weltmarkt-Rest: Regional-Zwerge

Der Rest des Lkw-Weltmarktes besteht aus Regional-Zwergen.

In den USA gibt es noch zwei US-Hersteller. Der nur in den USA aktive Navistar-Konzern mit seiner Lkw-Marke International. Paccar, zweiter US-Hersteller, ist auch in Europa aktiv, wie auch das Markenportfolio zeigt. Paccar hat die US-Marken Peterbuilt und Kenworth sowie die Euro-Marken Leyland und DAF.

In Asien ist in Chinas DongFeng größter Lkw-Hersteller. In Asien ist auch noch die Lkw-Tochter von Toyota, Hino, ganz gut vertreten.

In Europa ist die steuersparend in den Niederlanden registrierte Fiat-Lkw-Tochter Iveco ein etablierter Akteur. Auch der VW-Konzern ist mit seinen beiden Lkw-Marken Scania und MAN gut im Euro-Geschäft – und weltweit marginal vertreten. VW hat aber auch ein gutes Lkw-Standbein in Südamerika, hier vor allem in Brasilien, wo große Schwer-Lkw unter der Marke VW vom Band laufen und gut am Markt vertreten sind.

Hintergrund: Geely in Europa

Geely ist seit langem in Europa aktiv.

Geely ist zu 100 Prozent Eigentümer des britischen Autoherstellers London EV Company Limited (LEVC, ehemals Carbodies, ehemals LTI). Dieser Hersteller stellt die berühmten Londoner Taxis her. Jene berühmten Taxis die man auch „Black Cab“ nennt und weltweit berühmt sind. Diese Taxis werden nach wie vor in London präsentiert, sind aber mittlerweile technisch reine Chinesen, und keineswegs billig. Ein solches chinesisches Black Cab kostet Neupreis für die Benzin-Variante 45.000 Pfund (51.000 Euro) und die Hybrid-Variante 55.599 Pfund (63.000 Euro).

Geely hat 2017 rund 51 Prozent am britischen Sportwagenbauer Lotus übernommen. „Nebenbei“ wurden im Zuge dieser Transaktion auch 49 Prozent am malayischen Autohersteller Proton gekauft. Weitergehen hat Geely hat – wie oben dargestellt – Anteile am schwedischen Lkw-Hersteller Volvo übernommen.

Geely ist auch zu 100 Prozent Eigentümer des schwedischen Autoherstellers Volvo – also des Pkw-Herstellers. Dudenhöffer dazu im Manager-Magazin: "Das Muster von Lis Strategie sei sehr gut an Volvo abzulesen: Unter Ford war der schwedische Autohersteller zum Sanierungsfall geworden. "Man wollte Ford-Fahrzeuge bauen, die den Namen Volvo trugen."

Merkel-Jünger Dudenhöffer suggeriert, Ford hätte mit diesem System das falsche System angewandt. Wobei man sich fragen muss: kennt Dudenhöffen das Geely-System? Das Geely-System ist genau so wie das Ford-System.

Geely baut Volvos mit Geely-Technik. Motoren-Konstruktionsabteilung von Volvo – es wurden Benzinmotoren entwickelt, die Dieselmotoren kaufte man immer von VW/Audi – wurde schon aufgelassen. Was Volvo an Motoren-Entwicklung braucht, wird in China von Geely gemacht. Alle Volvo-Autos kann man mit Schweden-Leasing leasen, aber nicht mehr alle Volvos sind Schweden. Volvos Premium-Modell, der S90, wird nicht mehr in Schweden produziert, sondern zur Gänze in China, und von dort nach Europa und die USA geliefert. Ob Ähnliches bald auch mit den 40er und 60er- Modellen von Volvo passiert ist aktuell noch unklar, darf aber als ziemlich sicher angenommen werden.

Wie obig im Text schon zu lesen war, hier noch einmal angemerkt: Mit Selbstbetrug, Schönreden der Situation und Medienlügen wird man nicht weit kommen, das ist jetzt schon abzusehen.

Europas Automarkt: Verlorene Sache?

Dass Europas Automarkt schwierigen Zeiten entgegengeht wird durch zwei Faktoren sehr deutlich klargemacht.

Erstens hat sich General Motors (GM) aus Europa zurückgezogen. GM hat GM Europe (Opel, Vauxhall, etc.) verkauft – und zwar an PSA (Peugeot – Citroen – DS, etc.). Jene PSA, die als Großaktionär mit 12,2 Prozent den chinesischen Autohersteller DongFeng hat.

Der noch vor Jahren krisengeschüttelte PSA-Konzern ist nun auf Expansionskurs. Nicht nur GM-Europe wurde gekauft. In Asien Auch in Indien will man aktiv werden – dazu kaufte man 2017 die Markenrechte am legendären Hindustan Ambassador.

Nicht nur China ist in Europa aktiv, auch Indien. Land Rover (Land Rover, Range Rover, Jaguar, Daimler, etc.) gehört dem indischen Tata- Konzern, der auch British Steel, die niederländischen Stahlwerke und nun auch Thyssen- Krupp- Stahl besitzt. Jene Firmen sind auch jeweils Zulieferer für die jeweilige Autoindustrie.

Zweitens hat Ferdinand Piech seinen 14,7-Prozent-Anteil an VW-Porsche größtenteils an seinen Bruder Hans-Michael verkauft, und zwar so viel, dass dieser eine 25,1 Prozent Sperrminorität bilden konnte, und den Rest innerhalb der Familie verkauft.

Welt- Auto- Markt: Marktmacht von China dominierend

China hat eine gewaltige Marktmacht am Automobil-Sektor – also Pkw und Nutzfahrzeuge.

2016 produzierte China 28.118.794 Fahrzeuge – diese Zahl ist bezogen auf Vierrad-Fahrzeuge, also keine Zweiräder wie Fahrräder, Mopeds oder Motorräder. Davon waren 24.420.744 Pkw und 3.698.050 „Commercial Vehicles“, also Lkw aller Gewichtsklassen (vom Pick-Up bis zum Schwerst-Lkw).

Im Vergleich dazu produzierten die USA im letzten Obama-Jahr 12.198.137 Fahrzeuge – davon 3.934.357 Pkw und 8.263.780 Nutzfahrzeuge aller Gewichtsklassen – wobei hier im Nutzfahrzeugbereich vor allem die Pick-Ups zu Buche schlagen. Japans Gesamtproduktion lag bei 9.204.590 Fahrzeugen, aufgeteilt auf 7.873.886 PKW und 1.330.704 Nutzfahrzeuge.

In 2016 produzierte Deutschland nur 6.062.562 Fahrzeuge, davon 5.746.808 Pkw und 315.754 Lkw. Deutschland produzierte nur weniger als ein Zehntel der Nutzfahrzeuge die China produzierte. China 100 Prozent – Deutschland nur 8,5 Prozent der chinesischen Produktion.

Jene die mitrechnen – also USA 12.198.137 plus Japan 9.204.590 plus Deutschland 6.062.562 ergeben zusammen 27.465.289 Fahrzeuge. China baute 28.118.794 Fahrzeuge, also um mehr als 650.000 Fahrzeuge mehr, als USA, Japan und Deutschland zusammen.

Auch hier sei wieder auf jenen Satz hingewiesen, der im Artikel schon mehrfach vorkam: Mit Selbstbetrug, Schönreden der Situation und Medienlügen wird man nicht weit kommen, das ist jetzt schon abzusehen.

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Viribus Unitis heißt "Vereinte Kräfte" und war das Motto von Kaiser Franz Joseph, und der Name eines Ö-U Schlachtschiffes. VU, das Schlachtschiff, schießt mit Informationen, manchmal auch mit Infos die keiner lesen will, weil sie nicht in den Kram passen. VU, das ist ein Autor, mit einem Netzwerk an Akteuren, die mit Hintergrund- und Basisinformationen zur Verfügung stehen.

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