Russland kündigt NATO- Lufttransport- Vertrag

Russland, also das Flugunternehmen Volga- Dnepr, stoppt die Vermietung des Großraum-Transportflugzeugs Antonow 124 (Nato-Code: Condor) für die Streitkräfte der Nato. Die NATO kann Ersatz bei der Ukraine ordern – wobei die Ukraine den Zivilmarkt den sie damit verliert, der russischen Volga- Dnepr überlassen muss.

+++ Viribus Unitis +++

Die bisherigen Bereitstellungen erfolgten im Rahmen des sogenannten „Salis“-Vertrags (Strategic Airlift Interim Solution). Die Flugzeuge (zuletzt sechs) haben als Stationierungsort den Flughafen Leipzig/Halle. Diese sechs Flugzeuge teilen sich in 3:3, drei von der ukrainischen Antonov Airlines und drei von der russischen Volga- Dnepr- Airlines, die nun den Vertrag für Ihre drei Flugzeuge gekündigt haben. Der Vertrag mit zehn Nato-Ländern zum Einsatz des militärisch wichtigen Flugzeugs werde nach dem Auslaufen zum Jahresende nicht mehr verlängert, teilte der russische Konzern Wolga-Dnjepr am Mittwoch mit. Der Vertrag war seit 2006 bisher jedes Jahr verlängert worden.

Daran beteiligt sind neben Deutschland und Frankreich auch Großbritannien sowie Belgien, Luxemburg, Griechenland, Polen, Tschechien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, und in Skandinavien Norwegen sowie die nicht- NATO- Mitglieder Finnland und Schweden. Wolga-Dnjepr stellte den teilnehmenden Staaten bisher solche Maschinen zur Verfügung, weil die europäischen Länder derzeit nur über eingeschränkte Lufttransportkapazitäten verfügen.

Frankreich setzte bisher stark auf die Transportkapazitäten der Antonow 124. Ein französischer Parlamentsbericht kam vor einem Jahr zu dem Schluss, dass die Streitkräfte des Landes beim Lufttransport eine „sehr starke Abhängigkeit“ von russischen und ukrainischen Lieferanten aufwiesen. Frankreich nutzt es für Versorungsflüge in die afrikansichen Unruhestaaten der CFA- Zone, also der europäisch- französischen Finanzkolonien.

Für Afrika- Transporte – in eben die französisch- europäischen Finanzkolonien nutzt auch die deutsche Bundeswehr die An 124, um beispielsweise Kampfhubschrauber vom Typ Eurocopter „Tiger“ zum Einsatz in den  westafrikanischen Krisenstaat Mali zu fliegen (Mali gehört zur CFA- Zone, zu den französisch- europäischen Finanzkolonien. Die deutsche Bundeswehr bezeichnet die An 124 auf ihrer Internetseite als „fliegenden Güterzug“, der auch beispielsweise Panzer transportieren kann.

Die An 124 ist das nach Nutzlast größte und in Serie gebaute Transportflugzeug der Welt: In der Basisversion – An 124-100 genannt – transportiert die Maschine 120 Tonnen rund 4.500 km weit. In einer modernisierten Version, mit West- Technik an Bord, und modernen russischen Triebwerken – An 124-100M- 150 genannt – transportiert die Maschine 122 Tonnen mit einer Reichweite von 5.200 km, kann aber auch mit 150 Tonnen beladen werden, die maximal 3200 km weit befördert werden können. Bisher wurden etwa 55 Stück gebaut. Das nächstliegende Pendant, die amerikanische Lockheed C-5 „Galaxy“, fasst etwa 122 Tonnen, eine Lockheed C-130 „Hercules“ etwa 20 Tonnen.

Die USA können über einen eventuellen Engpass mit Ihren C5 oder C17 nicht hinweghelfen, weil diese bis an die Grenze der Belastbarkeit im Dienst der US- Streitkräfte eingesetzt werden. Euro- Hilfs- Kapazitäten haben die USA in diesem Bereich nicht.

Auch die A400 ist kein Ersatz für An 124. Die An 124 hat einen riesigen Laderaum und kann bis zu 150 Tonnen transportieren, die A400 im Vergleich dazu einen Mini- Laderaum und kann maximal 37 Tonnen transportieren – also nur ein viertel dessen was die An 124 schafft. Dass die An 124 auf Dauer eingesetzt werden muss – auch wenn die A400 einmal voll zur Verfügung steht – ist der NATO klar. Man sieht es an der Namensänderung. SALIS war von 2006 bis 2016 die Abkürzung für Strategic Airlift Interim Solution wurde ab 2017 in Strategic Airlift International Solution umbenannt.

Wenn die Russen nun aussteigen, kann die Ukraine den NATO- Kontrakt mit Ihren Maschinen voll übernehmen. Da die Ukraine nun keine Konkurrenz mehr hat – die Russen sind nicht mehr dabei / andere Anbieter gibt es nicht – ist die Ukraine in der Preisgestaltung relativ „frei“. Monopole fördern hohe Preise, das weiß die Ukraine, und wird dies vermutlich auch nutzen.

Für Russland ist dies kein Verlust. Die „Antonov Airlines“ der Ukraine ist der einzige An-124 Betreiber, und hat 7 (sieben) Maschinen dieses Typs im Einsatz, wovon 3 für SALIS abgestellt wurden. Nun kann Antonov 6 seiner sieben Maschinen für die NATO abstellen. Ein sicheres Geschäft. Gleichzeitig sind diese zusätzlichen NATO- Maschinen aber nicht mehr für Ziviltransporte einsetzbar – weil sie ja für die NATO fliegen.

Das bedeutet für Volga- Dnepr, dass sie nun im sehr lukrativen Ziviltransportgeschäft Marktanteile von Antonov Airlines übernehmen können. Eine langfristige Geschäftsentscheidung die hier umgesetzt wird, und die Volga- Dnepr am Zivilmarkt neue Chancen eröffnet. Die Russen wollen langfristige den Ukrainern den Zivilmarkt wegnehmen – nicht unclever von den Russen!

Hier eine An-124 der Volga- Dnepr, sie bringt den Rumpf der ehemaligen Lufthansa- Maschine Landshut zurück nach Deutschland:

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Viribus Unitis heißt "Vereinte Kräfte" und war das Motto von Kaiser Franz Joseph, und der Name eines Ö-U Schlachtschiffes. VU, das Schlachtschiff, schießt mit Informationen, manchmal auch mit Infos die keiner lesen will, weil sie nicht in den Kram passen. VU, das ist ein Autor, mit einem Netzwerk an Akteuren, die mit Hintergrund- und Basisinformationen zur Verfügung stehen.

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