US-Wahlbeeinflussung: Google & Facebook statt Russland

US-Wahlbeeinflussung: Google & Facebook statt Russland

Wer hat tatsächlich die US-Wahlen manipuliert? Russland? Eher nicht. Vielmehr die Internet-Konzerne Google und Facebook.

Von Ludwig Uhrl

Seit dem Wahlsieg Donald Trumps über Hillary Clinton (und bereits zuvor während des Wahlkampfs) wirft man den Russen – allen voran Präsident Putin – vor, sich in diese Wahlen eingemischt zu haben. Und das, obwohl gerade die Amerikaner selbst dafür berüchtigt sind, sich in die Wahlen anderer Länder direkt und indirekt einzumischen. Doch selbst wenn es so wäre, dass die Russen dies versucht hätten – mit der Wählermanipulation von Facebook und Google können sie garantiert nicht mithalten. Denn ein paar bezahlte Anzeigen auf Facebook oder ein paar Blogs/Webseiten mit falschen Meldungen (was zur allgemeinen „Fake-News-Hysterie“ führte) können nicht Millionen von Wählern manipulieren und deren Wahlverhalten beeinflussen.

Vielmehr sind es die US-amerikanischen Internet-Konzerne Google und Facebook, die offensichtlich mit ihren Daten und Algorythmen dafür sorgten, dass die US-amerikanische Wählerschaft beeinflusst werden konnte. Ein Umstand, der langsam aber sicher ans Tageslicht kommt, jedoch im allgemeinen russophoben Taumel in der US-Politik mehr oder weniger untergeht.

Wie inzwischen bekannt wurde, hat Facebook beispielsweise umfangreiche Datensätze an eine Firma – Cambridge Analytica – verkauft, welche diese für politische Kampagnen im Präsidentschaftswahlkampf nutzte. Damit wollte man vorwiegend demokratische Wählergruppen vom Wählen abhalten, wie der Whistleblower Christopher Wylie mitteilte. Steve Bannon, der damals in Donald Trumps Team arbeitete, habe aus dem Unternehmen faktisch eine „Rundum-Propaganda-Maschine“ gemacht. Obwohl der Internetkonzern selbst eher Hillary Clinton und den Demokraten näher steht, sorgte wohl die Geldgier der Unternehmensführung dafür, dass stattdessen der Republikaner Donald Trump schlussendlich das Rennen um die Staatsführung der Vereinigten Staaten von Amerika machte.

Aber nicht nur Facebooks Datenskandal trug zur Wählermanipulation im US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 bei – auch Google mischte fleißig mit. Der Internetkonzern tat dies aber nicht für Trump, sondern für Hillary Clinton. Untersuchungen ergaben, dass Google Suchergebnisse so manipulierte, dass Hillary Clinton besser dasteht, während man für Donald Trump und Bernie Sanders vor allem negative Suchergebnisse präsentierte. Ohne die Manipulationen bei den Google-Suchabfragen hätte die Kandidatin der Demokratischen Partei wohl noch schlechter abgeschnitten.

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass die Manipulation der Suchergebnisse in den Suchmaschinen die Wahlpräferenzen von unentschlossenen Wählern – je nach demographischem Hintergrund – um zwischen 20 und 80 Prozent verändern können. In der Studie von Epstein, Mohr und Martinez mit dem Titel „The Search Suggestion Effect“ heißt es:

„Die Wahlpräferenzen der Teilnehmer, die keine Suchvorschläge sahen, verschoben sich um 37,1% auf den favorisierten Kandidaten. Die Stimmpräferenzen der Teilnehmer in den Suchvorschlagsgruppen, die nur positive Suchvorschläge sahen, verschoben sich ähnlich (35,6%). Die Wahlpräferenzen der Teilnehmer, die drei positive Suchvorschläge und einen negativen Suchvorschlag sahen, veränderten sich jedoch kaum (1,8%); Dies geschah, weil der negative Suchvorschlag mehr als 40% der Klicks anzog (Negativitätsbias). Mit anderen Worten, ein einziger negativer Suchvorschlag kann die Meinungen dramatisch beeinflussen. Teilnehmer, denen vier negative Vorschläge (und keine positiven) angezeigt wurden, wichen vom in der Suchleiste gezeigten Kandidaten ab (-43,4%).“

Wie man also deutlich sieht, haben die Internetkonzerne eine große politische Macht, die sie auch mehr oder minder für die eigenen Ziele nutzen. Wo früher Zeitungen und dann das Fernsehen das Wahlverhalten beeinflussen konnten, sind es heute eben Facebook, Google & Co. Anstatt über angebliche „russische Manipulationen“ zu schwadronieren wäre es angebrachter, die Macht der Internetkonzerne zu untersuchen und unter Umständen auch zu beschneiden.

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Ludwig Uhrl, ein Traditionalist, bekennt sich zu Bier, Brezel und Weißwurst, mit umfangreicher Polit- Erfahrung und alt- jüdischen Wurzeln - die Urgroßmutter mütterlicherseits konvertierte zum Katholizismus. Als Chefredakteur hat er gesellschaftliche Verantwortung, will er plurale Meinungs- Entfaltung fördern, aber auch lenken. Es geht alles, aber nicht alles darf gehen!

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